Einführung
Das äußere Erscheinungsbild (Phänotyp) jedes
Lebewesens wird durch Umwelteinflüsse (z. B: Bräunung
der Haut durch starke Sonneneinstrahlung) und Erbfaktoren
(Gene) bestimmt.
Während durch Umweltbedingungen hervorgerufene Veränderungen
des Phänotyps nicht an die Nachkommen weitervererbt
werden (der Sohn eines Bodybuilders ist nicht kräftiger
als seine Altersgenossen), werden Gene
und die von ihnen abhängigen Merkmale über Generationen weitergegeben.
Die Gene beinhalten also vererbbare Informationen. Diese
sind in den Erbmolekülen (DNA) der Körperzellen verschlüsselt.
Die Summe der genetischen Informationen eines Organismus
bezeichnet man auch als Genotyp.
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| Da höhere Lebewesen, wie Wirbeltiere, über sehr
viele Erbinformationen verfügen (etwa 100.000 Gene beim
Menschen), ist der gesamte Genotyp in handliche Pakete
aufgeteilt, ähnlich den einzelnen Bänden eines
umfangreichen Lexikons. Diese Informationspakete in den
Zellen heißen Chromosomen.
Die Gene innerhalb der Chromosomen entsprechen den Wörtern
unseres Lexikons. |
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| Es kann vorkommen, daß sich der Inhalt eines Gens
sprunghaft ändert (analog kann auch die Veränderung
eines Buchstabens zu einer Änderung der Bedeutung führen:
WORT <> WERT <> WIRT)
und die neue Information weitervererbt wird. Dieses
mutierte Gen (Mutation)
kann zwar noch dasselbe Merkmal steuern, prägt es jedoch
anders aus (z. B. ändert sich die Fellfarbe beim Hund). |
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| Nun besitzen Tiere normalerweise in ihren Körperzellen
jedes Chromosom doppelt (diploid), nämlich jeweils eines
von der Mutter und eines vom Vater (außer den Keimzellen
(Gameten),
die jedes Chromosom nur einmal enthalten (haploid), haben
die meisten tierischen Zellen einen diploiden
Chromosomensatz, beim Mensch sind dies 46
Chromosomen). Die Gene väterlicher und mütterlicher
Chromosomen, die die Informationen für dasselbe Merkmal
(z. B. Augenfarbe) beinhalten, nennt man allele Gene oder
einfach Allele. |
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| Wirken die Allele eines Chromosomenpaares
gleichsinnig auf die Merkmalsausprägung, so ist das
Lebewesen bezüglich dieses Allelpaares reinerbig (homozygot),
sonst mischerbig (heterozygot) |
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| Verdeutlichen wir diesen Sachverhalt mit Hilfe des
Lexikonbeispiels: Stellen Sie sich einen übertrieben
vorsichtigen Besitzer einer wertvollen Enzyklopädie vor,
der aus Angst vor Feuer oder Diebstahl seinen gesamten 23-bändigen
Brockhaus (haploider Satz vom 1. Elternteil) ein zweites
Mal kauft, aber bei einem anderen Buchhändler (haploider
Satz vom 2. Elternteil) als beim ersten Mal. Dieser
bietet eine neue Auflage an, in der die Druckfehler der
vorherigen Ausgabe verbessert wurden und die außerdem
neue Druckfehler enthält (Mutationen). Beim Nachschlagen
eines Stichwortes liefert das Lexikon des 2. Buchhändlers
also möglicherweise andere Informationen (allele Gene)
als das vom 1. Buchhändler. |
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.1.
Uniformitätsregel:
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| Kreuzt man
zwei Tiere (Eltern- oder Parentalgeneration), die
sich in einem Merkmal unterscheiden, für
das sie reinerbig sind, so sind die Nachkommen (1.
Filialgeneration oder F1) in bezug auf dieses
Merkmal untereinander gleich (uniform). Dabei ist
es gleichgültig, welches Allel vom väterlichen
oder mütterlichen Elternteil stammt. |
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| Beispiel: |
| Zwei Hunde unterscheiden sich in der
Fellfarbe, der eine ist schwarz der andere
hellbraun. Somit beinhalten die Chromosomen in
den Körperzellen des schwarzen Hundes das Gen für
schwarzes Fell, das braune Tier enthält das Gen
für braune Fellfarbe. Da unsere Hunde reinerbig
sind und in den Körperzellen diploide
Chromosomensätze vorliegen, besitzen sie jeweils
zwei gleiche Gene für die Fellfarbe (kürzt man
den Genbestand mit Buchstaben ab, so
charakterisiert (SS) den schwarzen und (BB) den
braunen Hund). |
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| Um sich fortzupflanzen, bilden die Tiere
Keimzellen. Dabei wird der Chromosomensatz im
Zuge der Reifeteilungen (Meiose) halbiert (haploid)
und man findet in den Keimzellen nur ein
Gen für Fellfarbe (Genotyp der Keimzellen
hinsichtlich der Fellfarbe: (S) bzw. (B)). Bei
der Kreuzung der beiden Hunde kann nur eine
Kombination der Farbgene entstehen: (SB). Für
die Fellfarbe der Nachkommen mit diesem Genotyp
gibt es zwei Möglichkeiten: |
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1. Bei intermediärem Erbgang:
Da die Farbgene gleichwertig sind, prägen
die Nachkommen die Merkmale beider Elterntiere
aus. In unserem Beispiel ergäbe die Kombination
von Schwarz und Hellbraun ein dunkelbraunes Fell.
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2. Bei dominant-rezessivem Erbgang:
Die Gene sind in ihrer Wirkung ungleichwertig.
Das dominante (beherrschende) Gen überwiegt und
bringt seine Information zur Ausprägung (dominante
Gene werden mit Großbuchstaben, rezessive mit
Kleinbuchstaben abgekürzt). In unserem Beispiel
dominiert das schwarze das Gen für hellbraune
Farbe. Demzufolge besitzen alle Nachkommen
schwarzes Fell. |
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| In beiden Fällen bleibt
festzuhalten, daß alle Tiere der 1.
Filialgeneration mischerbig ((SB) bzw. (Sb)) sind.
Daraus folgt das 2. Mendelsche Gesetz. |
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2.
Spaltungsregel
| Kreuzt man
die Individuen der 1. Filialgeneration
untereinander, so sind ihre Nachkommen (F2) nicht
alle gleich. Es treten neben mischerbigen auch
reinerbige Tiere auf. Die Merkmale der Parental-
und 1. Filialgeneration treten dabei in
bestimmten Zahlenverhältnissen auf. |
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| Beispiel: |
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| Die Hunde der F1 bilden zwei Typen von
Keimzellen: Solche mit dem Gen für schwarzes (S)
und hellbraunes (B) Fell. Werden diese Gene durch
Kreuzung miteinander kombiniert, erhält man drei
verschiedene Kombinationen: (SS) zu 25 %, (SB) zu
50 % und (BB) zu 25 %. Betrachtet man das
Erscheinungsbild dieser Tiere (F2), so erkennt
man beim intermediären Erbgang ein Zahlenverhältnis
von schwarzen, dunkelbraunen und hellbraunen
Hunden wie 1:2:1. |
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Bei dominant-rezessivem Erbgang entstehen die
gleichen Genkombinationen wie beim intermediären
Erbgang. Der wesentliche Unterschied liegt im
Aussehen der F2. Da das dominante Gen grundsätzlich
überwiegt, ergibt sich hier ein Verhältnis von
75 % schwarzen zu 25 % hellbraunen Hunden (=3:1).
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Was passiert, wenn sich Tiere nicht nur in bezug
auf ein Merkmal, sondern in mehreren (was dem
Normalfall entspricht) Genen unterscheiden? Darüber
gibt das 3. Mendelsche Gesetz Auskunft. |
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3. Regel der
freien Genkombination:
| Kreuzt man
Tiere miteinander, die sich in mehr als einem
Merkmal reinerbig unterscheiden, so werden die
Gene unabhängig voneinander kombiniert (das gilt
nur, wenn sich diese Gene auf verschiedenen
Chromosomen befinden). Für jedes einzelne
Gen- bzw. Merkmalspaar gelten Uniformitäts-
und Spaltungsregel. Neben den
Merkmalskombinationen der Eltern treten in der F2
neue Genkombinationen auf. |
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| Beispiel: |
Zur Abwechslung wollen wir zwei Katzen
miteinander kreuzen, die sich in zwei Merkmalen
reinerbig unterscheiden. Das Fell des Katers ist
schwarz (S; dominant) und langhaarig (l; rezessiv).
Der Genotyp dieses Tieres in bezug auf diese
Merkmale ist somit: (SS ll). Es entwickelt
Keimzellen, die alle den Genotyp (Sl) aufweisen,
denn jedes Merkmal bzw. Gen muß einmal
in jeder Keimzelle vorhanden sein. Die Katze ist
blau (das heißt schiefergrau) (b; rezessiv) und
kurzhaarig (K; dominant). Ihre Körperzellen
zeigen den Genotyp: (bb KK), die Keimzellen: (bK).
Die Kreuzung dieser Tiere führt zu Nachkommen,
die alle folgende Genkombination aufweisen: (Sb
Kl). Das bedeutet, sie sind alle schwarz und
kurzhaarig (uniform entsprechend der 1.
Mendelschen Regel). Bilden diese Tiere wiederum
Keimzellen, dann können die unterschiedlichen
Gene für Fellfarbe und Haarlänge unabhängig
voneinander frei kombiniert werden, unter der
Voraussetzung, daß jeweils ein Gen für
Farbe und Länge der Haare in die
Keimzellen gelangt. Für die Gameten ergeben sich
somit folgende Kombinationen: (SK), (bK), (Sl), (bl).
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| Kreuzt man zwei Katzen dieser
Generation, so sind folgende
Merkmalskombinationen in der F2 möglich: |
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Schlußwort
Wie durch die Beispiele veranschaulicht, kann man
allein durch Beobachtung von Kreuzungsversuchen viel über
die in den Chromosomen verborgenen Informationen
herausfinden. Es muß jedoch erwähnt werden, daß dies
nur bei wenigen Merkmalen so einfach ist, wie hier
beschrieben. Viele äußere Kennzeichen werden nicht von
einem sondern mehreren Genen bestimmt, die sich in ihrer
Wirkung gegenseitig beeinflussen. (Sicher hat jeder schon
erlebt, was passiert, wenn man in einem Lexikon nach
einem komplizierten Begriff sucht. In der Beschreibung
des Stichwortes findet man sicher weitere Verweise auf
andere Textstellen, oftmals in einem anderen Band, wo
dann wiederum auf andere Schlagwörter verwiesen wird.
Damit der Leser die komplette gewünschte Information erhält,
muß er an vielen Stellen lesen).
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