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Philosophie im Schutzdienst  von Thomas Schmitt ( Verst. Jan. 2009 )

Das folgende Statement soll meine „Philosophie“ in der Schutzdienstarbeit verdeutlichen. Es entstand innerhalb einer Diskussion mit sehr unterschiedlichen Meinungen zum Aufbau der Hunde:

 

Der Wehrtrieb als solches und ursprünglich ist eigentlich nicht nutzbar. Diese Arbeit bewirkt, dass der Hund im Affekt agiert. Dies ist immer mit vielen Konflikten (selten positiv lösbar im Sinne des Sports) verbunden und führt vor allem zu einer Unkontrollierbarkeit, weil der Hund nicht zielorientiert handelt, sondern lediglich versucht durch Kampf zu vermeiden, oft einfach nur Schmerz. Vor allem geht diese Arbeit meist mit unfairem Helferverhalten einher, welches der Hund allzu oft auch in dieser Art beantwortet. Unmotivierte Beißhandlungen und sehr viel Misstrauen sind die Folge.

Wehrreize (Fixieren, Distanzverkürzung, Bedrohung, Belastung, in der Folge und bei entsprechender Beantwortung der Angriff etc.), sind allerdings sehr wohl dynamische oder auch teilweise statische Handlungen des Helfers, die auch vom jungen Hund, ab dem ersten SD und ab einer gewissen Reife entsprechend erwidert werden können und müssen.

Der geschickte Helfer reagiert hier sehr natürlich und durchaus emotional. Aktionen des Hundes werden altersentsprechend aber immer adäquat beantwortet. (Beispielhaft: ein Schubs an die Schulter darf nicht einen gespielten "Knock-out" auslösen).

Durchaus darf die Intention des Hundes zunächst ein gewisses Vermeiden beinhalten. Und zwar das Vermeiden der eigentlichen Kampfhandlung auch verbunden mit einem gewissen Unbehagen und Respekt vor dem Gegner (Helfer). Aber, und das ist was aus dem kleinen Jungen mal den selbstsicher agierenden großen Jungen mit einem Riesenherz werden lässt - immer im Bewusstsein der aktuell vorhandenen Stärken. Um es noch mal zu "vermenschlichen": Aufgrund der oben genannten Reize (z. B. Fixieren, Verkürzung der Distanz) entschließt sich der Hund zu sagen "Geh!". Der Helfer beantwortet dies, indem der die Distanz noch etwas verkürzt, dabei allerdings den Blick leicht abwendet. Der Hund sagt daraufhin mit Nachdruck "Geh, ich hab gesagt Geh!". Der Helfer tritt zurück, sagt Okay und geht. Wohlgemerkt - er geht. Er läuft nicht und er flüchtet nicht. Er hat Respekt.

Wichtig dabei ist natürlich, dass man beim jungen Hund Optionen offen lässt und nicht meint ein Verhalten (z. B. durch den HF) hervorrufen zu müssen. Der Hund muss die Entscheidung für das gewünschte Verhalten treffen. Dem vorweg gehen natürlich sehr oft Verhaltensweisen wie - am HF hochspringen, Schnuppern am Boden etc.

Die entsprechende Handlungsweisen und die Reaktion(en) darauf profilieren Verhalten, schaffen ein positives Bild, welches der Hund für eine entsprechende Steigerung beim nächsten Mal benötigt und auch nutzt.

Die eigentliche Beißhandlung ist in diesen Phasen völlig zweitrangig. Ein Hund mit entsprechender Einstellung muss das Beißen nicht trainieren und schon gar keinen Griff.

Einen Anbiss erhält der Hund vom versierten Helfer dann, wenn aus dem "Geh!" ein "Komm!" geworden ist.

Wenn man diesen Weg (so in etwa) geht, dann weiß man zu schätzen, solche Hunde auf ihren Weg gebracht zu haben. Genau deshalb sage ich: Dieses Einfügen als "letzter Schritt", kann und wird nie funktionieren.

Vielleicht in einem gewissen Rahmen, den ich allerdings nicht wertschätzen kann. Geprägt von Kompromissen und Ausreden.

Und aus meiner Sicht ist es nicht fair, dem Hund aus vermeintlicher Punktegeilheit, zunächst die "heile Welt" mit Säckchen, Springherum und vielleicht noch mit Bällchen vorzugaukeln - "schau mal der Helfer dein 'Spielkamerad' ist da" - Um dann als "letzten Schritt Ernsthaftigkeit einzufügen".

Ganz abgesehen davon, dass der Hund nicht wirklich ein zufriedenstellendes Verhalten zeigt. Sicher, er geht auf den faulen Deal ein. Okay, jetzt ist der Typ doch böse, kein Spielkamerad mehr. Aber ihm wurde ja lange genug gezeigt, wie er sich in seinen vermeintlichen Ruhepunkt, das Ärmelchen zu retten hat.

Und Punkte, Erfolg etc. stellen sich mit der von mir beschriebenen Weise ganz genauso ein. Auch und vor allem unter Beachtung der hier bereits genannten Bedingungen moderner, an Lerngrundsätzen orientierter Ausbildung.

Aber irgendwas macht mich zufriedener bei den Hunden mit denen ich so arbeite. Vielleicht ist es die Tatsache, dass man das Gefühl hat den Hunden nicht ihren Stolz zu nehmen.

Auch wenn jetzt hier wieder jemand behauptet, dass es ein solches menschliches Gefühl nicht geben kann. Deshalb ist es ja emotional und muss gar nicht wissenschaftlich dokumentiert sein. Es ist dann schon in Ordnung so. Ein gutes Gefühl eben!

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Vita – Thomas Schmitt:

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Wenn Sie konkrete Fragen zu dieser Arbeitsweise haben, rufen Sie mich an oder senden Sie eine mail, da mein junger Rüde auch von Thomas aufgebaut worden ist, helfe ich Ihnen soweit ich kann, gerne

Tel. 08395 459423 ---- mail: castra-regina@online.de